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Ein Brauch unserer Urahnen
Das Blochziehen ist einer der ältesten Tiroler Bräuche.
Es ist ein Brauch, der mit Fasching oder Karneval nicht zu vergleichen
ist. Es ist echte Tiroler Fasnacht.
Das Blochziehen ist, wie jede ernste Fasnacht in Tirol, ein zum
Glück noch erhaltener Rest der Frühjahrs- und Fruchtbarkeitsfeste
unserer Ahnen.
Daß diese Nacht vor dem Frühjahr unseren Ahnen besonders
heilig war, mag jeder ahnen, der sich vorstellen kann, wie stark
der Winter den Menschen früher zu schaffen gemacht hat.
Die religiösen Hauptfeste der Urzeitmenschen fallen daher
in das anbrechende Frühjahr. Sie sollten die guten Götter
der Sonne, des Wachstums und der Fruchtbarkeit gegen die bösen
Dämonen des Todes, des Winters und des Verderbens stärken
Zur Zeit der napoleonischen Kriege wurde das Blochziehen in Fiss
nicht mehr durchgeführt. Erst 1909 besann man sich wieder auf
die alten Bräuche und Traditionen der Urahnen. Man führte
das Blochziehen so durch, wie es sich durch mündliche Überlieferung
erhalten hatte.
Da diese Überlieferung zu jener Zeit noch sehr lebendig war,
ließ sich die Tradition zum Glück bis heute wahren.
In Tirol findet das Blochziehen wieder in mehreren Orten des Oberen
Inntales statt.
Besonders berühmt geworden ist jedoch das Blochziehen in Fiss,
da die Fisser diesen Brauch sehr pflegen und ihn immer, höchstens
mit kurzen Unterbrechungen, weitergeführt haben.
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Blochbaumziehen 1926 |
Handgeschriebene Einladung |
Hexen, Gigeler, Schallner |
Überlieferungen in Fiss
Wiederbelebung zur Jahrhundertfeier der Tiroler Freiheitskämpfe 1809 – 1909
Es war anscheinend die Jahrhundertfeier
1809 – 1909 zum
Gedenken an die Tiroler Freiheitskämpfe,
die den Ausschlag für eine
Wiederbelebung des Fisser Blochziehens
gaben. Paul Illmer z. B. zitiert in
seiner Blochziehen-Festschrift einen
alten Fisser – „Hackls Joseppe-Lois“ – Josef Alois Geiger, der der Überzeugung
war, dass das Blochziehen
in Fiss zur Zeit der Napoleonischen
Kriege nicht mehr durchgeführt
wurde.
Mündliche Überlieferung
Das frühere Komiteemitglied Siegfried
Krismer: „Erst 1909, zur Jahrhundertfeier
der Tiroler Freiheitskämpfe,
entsann man sich der früheren Übung und führte das Blochziehen
so durch, wie es sich durch
mündliche Überlieferung erhalten
hatte.
“ Da diese Überlieferung zu jener
Zeit noch sehr lebendig war, ließ sich die Tradition in Fiss wahren.
Krismer: „Mein Vater, Johann Krismer,
hat mir erzählt, er könne sich
erinnern, dass um 1910 eine Hütte
durchs Dorf gezogen wurde.
Die Maschgerer
zogen an seinem Geburtshaus
oberhalb der Kirche vorbei. Er
selbst beteiligte sich später einmal
als Mohrele an der Fasnacht.“ Während des Zweiten Weltkrieges
gab es aus verständlichen Gründen
in Fiss kein Blochziehen. Der heute
im Kaunertal (Wallfahrtsort Kaltenbrunnen)
lebende Fisser Geistliche
Hubert Rietzler erinnert sich: „Meine fünf Brüder und ich haben
als Buben zur Kriegszeit einmal im
alten Schulhaus in den oberen Räumen
alte Fasnachtsmasken entdeckt.
Wir wussten natürlich wenig von der
Fasnacht, haben aber die Masken
genommen, sie aufgesetzt und sind
dann im Dorf herumgesprungen
und haben die Leute erschreckt.“ Bis
die „Maschgerer“ der alte Schützenhauptmann „Hackls Joseppe-Franz“ (Franz Josef Geiger) entdeckte. Hubert
Rietzler: „Der hat uns aufgehalten
und zusammengestaucht. Auf der
Stelle mussten wir die Larven wieder
zurück ins Schulhaus tragen.“ Das
erste Blochziehen nach dem Krieg
gab es 1949. |