"Besser kann kein Volk vererben,
als ererbten Väterbrauch,
wo des Landes Bräuche sterben,
stirbt des Landes Blüte auch."
Ottokar Kernstocks
"Besser kann kein Volk vererben,
als ererbten Väterbrauch,
wo des Landes Bräuche sterben,
stirbt des Landes Blüte auch."
Ottokar Kernstocks
Der jahrhundertealte Tiroler Fasnachtsbrauch
Alle vier Jahre verwandelt sich Fiss in die Bühne eines der ältesten Tiroler Fasnachtsbräuche: dem Blochziehen – einem Ritual, bei dem der Winter im wahrsten Sinne des Wortes gezogen wird.
Es ist ein lebendiges Relikt frühzeitlicher Fruchtbarkeits- und Frühjahrsfeste und erzählt vom uralten Kampf zwischen Winter und Frühling, zwischen Dunkelheit und Licht.
→ 2011 wurde das Fisser Blochziehen in das Nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO in Österreich aufgenommen.
Symbol des Neubeginns und Träger des Frühlings
Pünktlich um 12:30 Uhr beginnt das Spektakel: Mit lautem Geschrei, klingenden Schellen und bunten Masken zieht der Festzug durch die Straßen von Fiss. Bunte Mohrelen, schaurige Hexen, der wilde Bär und andere Fastnachtsfiguren sorgen für ausgelassene Stimmung – ein Schauspiel voller Tradition, Energie und Frühlingszauber.
Auf einem geschmückten Holzschlitten wird der Bloch, der Sinnbild für Neubeginn, Fruchtbarkeit und den Durchbruch des Frühlings ist, von den Bärentreibern – den Naturbändigern – sowie Mohrelen, Schallnern, Bauern und Handwerkern durch die Straßen von Fiss gezogen.
Während der Bloch den Pflug symbolisiert, der die Erde für die Aussaat aufbricht, stehen die schönen Mohrelen und Schallner für den Frühling. Mit ihren mächtigen Schellen vertreiben sie die bösen Kräfte und alten Winterdämonen.
Dämonen des Winters im Spiel der Fasnacht
Am Ende des Stammes sorgt der Schwoaftuifl, unterstützt von seinen Hexen, für Aufruhr und Belustigung. Mit wilden Ideen versucht er, den Zug zu stoppen, und zieht den Bloch mit einem Seil entgegen der Fahrtrichtung.
Die schaurigen Hexen mit ihrem Geschrei und ihren Besen verkörpern den bitteren Winter, der den Menschen auf dem Hochplateau früher das Leben schwer machte.
Ebenso treten weitere Gestalten auf den Plan: Der Giggeler – ein altes Fruchtbarkeitssymbol – hat stets Hexen und so manches Mädchen im Blick, während der Bajatzl von Dach zu Dach turnt und mit seinen Späßen für ausgelassene Stimmung sorgt.
– Bär, Miasmann & Dorfgemeinschaft
Auch der Bär spielt eine wichtige Rolle. Von den Bärentreibern und Mohrelen eingefangen, hilft er dabei, die steilen Passagen zu bewältigen. Und wenn die Strecke besonders anspruchsvoll wird, tritt eine weitere kräftige Figur hinzu: der Miasmann, der wilder Mann aus dem Wald, der die schwere Arbeit unterstützt.
Begleitet wird der Zug von der Musikkapelle, Bauern, Knechten, Mägden, Jägern, Handwerkern und fahrendem Volk – ein lebendiges Abbild des Dorflebens vergangener Zeiten.
Die Versteigerung
Der Weg des Blochs führt durch enge Gassen und steile Abschnitte, bis der Zug schließlich den Dorfplatz „Fonnes“ erreicht. Hier findet der feierliche Abschluss statt: die traditionelle Versteigerung des Blochbaumes durch den Bürgermeister – ein Moment, der das Fest ebenso beschließt wie die symbolische Überwindung des Winters.